Haselnuss - Wildkräutertipp im September
© Haselnuss im September - Kräuterwanderung am Inn im Landkreis Altötting

Haselnussfrucht im Herbst - Kräuterwanderung der Kräuterschule Altötting
© Haselnussfrucht im Herbst - Kräuterwanderung der Kräuterschule Altötting

Besucher in einer leeren Haselnuss
© Besucher in einer leeren Haselnuss

Haselnussfrucht im September - Kräuterwanderung im Chiemgau
© Haselnussfrucht im September
- Kräuterwanderung im Chiemgau

durchlöchertes Haselnussblatt auf einer Kräuterwanderung im Landkreis Mühldorf
© durchlöchertes Haselnussblatt auf einer Kräuterwanderung im Landkreis Mühldorf

Haselnussstrauch in der Kräuterschule im Landkreis Altötting
© Haselnussstrauch in der Kräuterschule im Landkreis Altötting

Haselnuss im Frühling
© Haselnuss im Frühling

Haselnussfrucht im Sommer 
        in den Alzauen im Landkreis Altötting
© Haselnussfrucht im Sommer
in den Alzauen im Landkreis Altötting

Lexikon


Wildstrauch im September "Gewöhnliche Hasel"

Heute möchte ich euch die gewöhnliche Hasel ( Corylus avellana L.) genauer vorstellen. Wenn ich durch unseren Garten gehe, trete ich zur Zeit überall auf heruntergefallene Nüsse. Die Hasel zählt zu den Hasel-(nuss)-gewächsen (Corylaceae). In älteren Büchern könnt ihr sie auch zu den Birkengewächsen (Betulaceae) gehörend finden. Wie die Birke bilden die männlichen Blüten der Hasel hängende gelbe  Kätzchen (= bot. Ähren), die ihr jetzt schon ansatzweise sehen könnt. Diese „Würstchen“ fallen nach dem Abblühen im Frühling als Ganzes ab. Im Februar /März, noch vor dem Blattaustrieb, werden die unscheinbaren weiblichen Blüten, deren rote Narben jetzt wie Pinsel aus den eiförmigen Knospenschuppen ragen (Lupe!), von gelben Wolken der unzähligen Pollen der männlichen Kätzchen bestäubt.

Arme Pollen-Allergiker –glückliche Bienen! Sie sind gerade aus dem Winterschlaf erwacht, und obwohl die Hasel vom Wind bestäubt wird, liefert sie den Bienen ihre erste Nahrung. Die meisten unserer Laubbäume werden vom Wind bestäubt (= windblütig = Anemophilie), darunter zählen  zum Beispiel die Hainbuche (Carpinus betulus L.), die heute auch zu den Haselgewächsen zählt, die Birken, Eichen, Ulmen, Erlen….Das Erfolgsrezept der windblütigen Arten liegt in der Produktion riesiger Mengen von Pollen. Sie blühen meist zu einer Zeit, wo die Blätter noch gar nicht da sind oder sich gerade zu entfalten beginnen und so die Pollen ungehindert fliegen können.

Unsere Hasel ist einhäusig, d.h. sie trägt männliche und weibliche Blüten am gleichen Strauch oder Baum (wie auch die Birke, Eiche…). Übrigens ist die Unterscheidung zwischen Strauch und Baum in der Natur oft gar nicht so eindeutig. Bäume sind in der Regel über 5m hohe Holzgewächse mit einem Hauptstamm und einer Krone. Sträucher sind meist niedriger, verzweigen sich schon an der Basis und haben deshalb mehrere Stämme. Unser über 70 Jahre alter Haselnußstrauch im Garten ist mindestens 8m hoch und nimmt teils mehr Platz ein wie die alten Hochstamm-Apfelbäume. Haseln können etwa 100 Jahre alt werden.

Der Haselnußstrauch ist eine Pionierpflanze und bevölkerte vor circa 9000Jahren in der jüngeren Steinzeit, nach dem Schmelzen der Gletscher zusammen mit den Eichen ganze Landstriche in Europa. Die Hasel löste die Birken und Kiefern ab, die die allerersten Besiedler der baumlosen, nacheiszeitlichen Tundra waren. Sie wiederum wurde von den Eichen verdrängt. Man spricht geradezu von einer „Haselzeit“. Schon die Neandertaler schätzten die wohlschmeckenden und nahrhaften Früchte, wie Ausgrabungen beweisen.

Sein Gattungsname Corylus  kommt aus dem griechischen  corys und bedeutet Maske, da die Nuß von ihrer glockenförmigen Fruchthülle (=Cupula) wie eine Maske umhüllt wird. Der Artname avellana kommt von der italienischen Stadt Avella , die schon im Altertum für den Haselnussanbau berühmt war. Im Althochdeutschen (ahd.) hieß sie hasal.
 Bei den Germanen war Frau Hasel dem Donnergott Thor geweiht und durfte nicht gefällt werden. Ihre Ruten wurden bei keltischen und germanischen Priestern zur Weissagung gebraucht. Sie soll auch heute noch als Ableiter für krankmachende Strahlungen aus der Erde dienen und  sollte schon deshalb als Schutzbaum bei keinem Haus fehlen (ebenso der Holunderstrauch).

Die biegsamen Zweige der Hasel werden heute noch bei den Wünschelrutengängern wegen ihrer Durchlässigkeit für Energieströme auf der Suche nach Wasser etc. sehr geschätzt.

Im keltischen Baumalphabet wird die Hasel Coll genannt („Gefäß des Wissens“, Buchstabe C). Dort hatte sie eine enge Verbindung mit der alten Göttin Brighid, die eng mit der Weisheit und der göttlichen Inspiration verbunden ist. Auch die Nüsse des magischen Haselstrauchs sollen alle Weisheit enthalten.

Die Hasel galt als Symbol der Fruchtbarkeit und Zeugungskraft und sollte auch aus diesem Grund bei keinem Haus fehlen. Außerdem soll an ihr ein Schlüssel hängen, der die Schatztruhen der Erde öffnen könne. Wer unter dem Strauch schläft, soll die Fähigkeit bekommen in die Zukunft zu blicken (ausprobieren!). Die Hasel überträgt dem Menschen inneres Glück und Zufriedenheit. Sie hilft loszulassen, was das eigene Wachstum behindert, damit man mit Freude eine Reise ins Unbekannte antreten kann. Wer den „Haselwurm“, der in den Wurzeln wohnt, vorsichtig ausgräbt, lernt  alle Geheimnisse der Pflanzenwelt kennen. Ihr seht, fast alle Kräuter und auch Bäume haben ihre persönlichen Mythen und Legenden, und ich könnte über die Hasel noch seitenweise Geschichten schreiben (s.u. Buchtipps).
Mein Yogaplatz im Garten ist zwischen 2 Haselsträuchern, die dort wild aufgegangen sind, und viele meiner besten „Geistesblitze“ habe ich hier empfangen.

Inhaltsstoffe der Nüsse: bis zu 60 % fettes Öl mit hohem Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, bis 20 %Eiweiß, Vitamin A, B1, B2, C und E;  viele Mineralstoffe, v.a. Eisen, Kalzium, Kalium

Ihr seht, Kraft- und Nervennahrung pur! Im Samen ist ja auch alles gespeichert um neues Leben daraus entstehen zu lassen! Die Nüsse sind Heilnahrung für Diabetiker, durch die B-Vitamine gut für die Nerven und Konzentration ; E -Vitamin stärkt das Immunsystem und soll vor Arterienverkalkung schützen, außerdem ist es ein freier Radikalenfänger (50 g Nüsse sollen den Tagesbedarf an Vit. E decken), Biotin für Haut, Haare und schöne Fingernägel…

Alte Kräuterkundige wie Plinius, Dioskurides und Hildegard von Bingen empfahlen das Essen der Nuss gegen Impotenz, Lungenleiden…

Inhaltsstoffe der  Blätter (= folia):  ätherisches Öl (0,04%), Flavonoide, Gerbstoffe, Chlorogensäure
Rinde (= cortex):Gerbstoffe, Flavonoide, Phlobaphene, Fett, Harzsäuren, Lignocerylalkohol, Sitosterin und Betulin

Medizinische Verwendung:
Die Kätzchen im Frühling als  schweißtreibender und fiebersenkender Aufguß bei Erkältung; gut in Mischung mit Holunder- oder Lindenblüten
Die Abkochung der Blätter und Kätzchen (lang ziehen lassen) wird zur Anregung des Stoffwechsels und der innersekretorischen Drüsen bei Fettleibigkeit empfohlen –über den Tag verteilt 2 Tassen trinken. Bei Krampfadern und Venenentzündung auch äußerlich als Umschlag (starke Abkochung).

Eine Kompresse aus der Blätterabkochung könnt ihr bei aufgedunsenen Augenlidern auflegen und auch auf Wunden ausprobieren ( Gerbstoffe ).
Eine Rindenabkochung soll Fieber senken und auch als Kompresse bei Unterschenkelgeschwüren heilende Dienste tun.
Blätter und Rinde werden als Ersatz für die Zaubernuß (Hamamelis virginiana) in Teemischungen verwendet

Bitte beachten: immer mehr Leute reagieren auf Haselnusspollen allergisch (Birkenallergiker), somit meist auch auf das Essen der Nüsse oder der Teeanwendung!

Die Bachblütenessenz :Hazel schafft einen harmonischen Ausgleich, wenn Geist-Seele-Körper verschieden empfinden; für Menschen die alles in ihrem Leben unter Kontrolle haben müssen; sie hilft uns der Reise ins Unbekannte zu vertrauen und soll ein großartiger Lehrer sein.

Das Haselnussöl in der Küche soll gut gegen Steinleiden sein, passt gut in Salate, Rohkost, Backwaren...

Als Hautpflegemittel v.a. für die reife, trockene Haut- soll Falten deutlich mindern. Als Massageöl

Anmerkung: da das Öl nicht sehr lange haltbar ist, unbedingt kühl und dunkel aufbewahren!

In der Wildpflanzenküche könnt ihr zarte Blätter zu Gemüse, Spinat oder in der Suppe ausprobieren; gemahlene Nüsse in Sahnesoße zu Nudeln; als Haselnussbutter aufs Brot; Pesto; die männlichen Blütenkätzchen bis April getrocknet und gemahlen zu Streckmehl; Rezepte für Nusskuchen findet ihr in jedem Kochbuch ;

Ein Nußlikör aus den klein geschnittenen Nüssen ist lecker (s. Suchmaschinen…)
Getrocknete Blätter könnt ihr bis August in den Rauchtabak mischen

In der Hitparade der heimischen Insektensträucher rangiert die Hasel an 4.Stelle (nach Salweide, Weißdorn und Schlehe). Das heißt, der Haselnussstrauch bietet über 112 Tierarten (Käfern, Schmetterlingen, Wanzen, Blattwespen und Blattläusen) die Lebensgrundlage und ist somit ökologisch sehr wertvoll!! Also nicht böse sein, wenn die Blätter durchlöchert sind oder sich z. B  ein Haselnussbohrer ( Curculio nucum) eingenistet hat. Der Käfer zählt zur Familie der Rüsselkäfer ( Curculionidae). Im Mai/Juni nagt das Weibchen mit ihrem langen Rüssel ein Loch in die noch weiche,  unreife Nuß und legt ein Ei hinein. Die geschlüpfte Larve ernährt sich von dem Nußkern und fällt mit der Nuß nach ca. 4 Wochen vorzeitig auf den Boden. Die ausgewachsene Larve beißt sich nach draußen und kriecht untere die obere Erdschicht, wo sie überwintert. Im Frühjahr verpuppt sich die Larve und ab Mai schlüpft der fertige Käfer. Er frisst anfangs Obst und später Knospen, Triebe und Blätter des Haselstrauchs oder anderer Laubbäume. Paart sich …

Außerdem möchten Mäuse, Eichhörnchen, Kleiber und andere auch noch was von den schmackhaften Nüssen abbekommen und tragen so zu ihrer Verbreitung bei.

Gärtnertipps: Ihr  schnell verrottendes Laub wirkt bodenverbessernd. Sie ist ein guter Bodenbefestiger und als Feldhecke wichtig da sie windunempfindlich ist. Ihre „Mannbarkeit“ oder „Blühbarkeit“(= Alter in dem Bäume erstmal blühen und somit  fruchten), erreicht die Hasel erst mit durchschnittlich 9 Jahren.  Sie läßt sich wie die Korbweide (salix viminalis) zur Verjüngung gänzlich am Stock (Wurzel) abschneiden und treibt sofort wieder neu. Ihre Zweige könnt ihr für Zaungeflechte o.ä. verwenden und ihr zähes Holz ergibt gute Zeichenkohle…

Übrigens ist die Türkei Exportweltmeister für Haselnüsse. Deren größere Lambertshasel (Corylos maxima ) findet ihr meist im Handel.

Buchtipp für alle an Mythen und Geschichten  Interessierte:
„ Mythos Baum“, Geschichte-Brauchtum- 40 Baumporträts von Doris Laudert, BLV -Verlag 2004 und „Blätter von Bäumen“, Legenden, Mythen, Heilanwendung und Betrachtung von einheimischen Bäumen von Susanne Fischer-Rizzi, Hugendubel (Irisiana) Verlag, 2001

Weitere verwendete Literatur: „Die Baum- und Strauchapotheke“ von Alberts, Mullen, Spohn, Kosmosverlag);“Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen“ Das Besteverlag; : „Naturoase Wildgarten“ von Reinhard Witt blv; „Welcher Käfer ist das?“ von W. Dierl ; “Bäume und Sträucher bestimmen auf einen  Blick“ von M. Lohmann BLV; „Laubbäume Bestimmen Kennenlernen Schützen“ von G. Aas und A. Riedmiller; „Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen“ von G. Fleischhauer; „Bäume und Sträucher“ von Kurt Harz blv Naturführer; „Die Kräuter in meinem Garten“ von Siegfried Hirsch und Felix  Grünberger Weltbild); „Baummagie“ von Steve Blamires Weltbild; „Heilpflanzen Kräuter“ von Dr. Ute Künkele und Till Lohmeyer Parragon books
 
Wenn ihr leckere Rezepte habt, könnt ihr sie gern direkt auf meiner Rezeptseite eingeben. Würde mich freuen.

Mehr Wildkräuterrezepte findet Ihr auch auf www.bio-ok.de

Wenn Ihr besonders leckere Rezepte oder Fragen habt meldet Euch telefonisch oder per Email.

Viel Spaß beim Probieren
Eure Birgit Garnweidner