Holunderblüte auf einer Wildkräuterwanderung im Frühling
© Holunderblüte im Frühling

Blütendolde des Holunders im Garten der Kräuterschule Altötting
© Teil einer Blütendolde des Holunders

Holunderstrauch
© Holunderstrauch im Chiemgau

Lexikon


Heilpflanze im Mai "Holunderblüte"

Jetzt, Mitte Mai beginnt der Schwarze Holunder (Sambucus nigra L) zu blühen. Jeder kennt diesen, in fast ganz Europa häufig anzutreffenden , bis durchschnittlich 7m  hohen Strauch mit den weiss-gelblichen aromatisch duftenden Doldenblüten.

Vorab, mein Tipp an alle, die ihr euch ernsthaft mit Pflanzen beschäftigen wollt: Mit allen Sinnen lernt ihr die Pflanzenwelt am besten kennen. Unbedingt mal daran riechen! Über den Geruch prägt sich eine Pflanze am besten ein. Genau betrachten! Am besten unter der Lupe und auch ihre Umgebung wo sie wächst (Au, Damm, Acker…) genauer anschauen . Und  natürlich befühlen der Blätter, Rinde etc. Fühlt sie sich weich, ledrig, klebrig etc..an! Aber ich bitte  euch die Pflanze vorher um Erlaubnis zu fragen, sie hat auch ein Gefühlsleben wie wir. Die Pflanzengeister freuen sich normalerweise wenn sie von uns Menschen beachtet oder gebraucht werden! (Klingt wie „ Esoterikschmarrn“, ist aber meine persönliche Erfahrung und ich glaube, dass jeder von euch der sich näher mit Pflanzen beschäftigt die gleiche emotionale Verbundenheit erlebt!)

Genug, zurück zu unserem Hollerbusch
Sein botanischer Name „Sambucus nigra L.“ kommt aus dem Griechischen „sambuke“ was soviel wie eine aus hohlen Ästen geschnitzte Flöte bedeutet .Ihr könnt das vielleicht mit euren Kindern ausprobieren, indem ihr das weiche,  weisse Mark aus einem Astabschnitt rauskratzt und Löcher hineinbohrt. Nigra“ kommt aus dem Lateinischen niger und bedeutet schwarz, was auf die Farbe der Beeren hindeutet.( In der Antike wurden die Beeren zum Schwarzfärben der Haare und von Leinen verwendet).

Das L. im lateinischen Namen ist die Abkürzung für Carl von Linne, dem großen schwedischen Botaniker und Naturgelehrten (1707-1778), der die Pflanzen in eine einheitliche Nomenklatur mit Doppelnamen  ( = binäre Nomenklatur )  einteilte. Jeder wissenschaftliche Pflanzenname ist zweigeteilt in Gattungsnamen und Artbezeichnung.  In unserem Fall ist „Sambucus“ der Gattungsname und „nigra“ die Artbezeichnung.
Linne`s System basiert auf dem Bau der pflanzlichen Geschlechtsorgane.

Laut  wikipedia -lexikon bezeichnet man ihn im Altdeutschen als »holantar« oder »holuntar«, was »hohl« bedeutet und ebenfalls auf die leicht aushöhlbaren, jungen Äste anspielt. Die Nachsilbe »-tar«  bedeutet dabei Baum“.

Ich kann nur jedem von euch, der sich ernstlich mit Pflanzen beschäftigen will, ans Herz legen sich die botanischen Namen einzuprägen. Dadurch entsteht  keine Verwechslungsgefahr bei den oft verschiedenen deutschen Namen. In unserem Fall nennt man den Holler im Volksmund auch manchmal “ Flieder“. Mit dem Gartenflieder (botanisch „syringa“ ) hat er nichts gemeinsam. Ihr kennt dann auch gleich die homöopathischen Mittelbezeichnungen und könnt Euch mit dem Apotheker oder anderen Wissenschaftlern verständigen.
Der „Holler“ wie er auch genannt wird, war bei den alten Germanen  der Wohnsitz der Großen Göttin Holle und gilt auch heute noch als Schutzbaum für uns Menschen als auch für Pflanzen und Tiere. Vor jedem Holler soll man den Hut ziehen. Er wird auch die Hausapotheke des Einsiedelbauern genannt, weil alles an ihm zu verwenden ist. Ich kann Euch nur empfehlen ihn in euerem Garten anzusiedeln oder wachsen zu lassen (er wird gern von den Vögeln verbreitet).

Der Holunder gehört zur Familie der Geißblattgewächse = Caprifoliaceae ( lateinisch: capreus = Ziege und folia = Blatt); wie auch der Zwergholunder (Sambucus ebulus L.);der Traubenholunder (Sambucus racemosa L.); der Wollige Schneeball (Virburnum lantana L.) der gerade verblüht ist; oder der Gewöhnliche Schneeball (Viburnum opulus L.)der gerade noch blüht; die Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum L.)und das Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum).
Einige dieser Sträucher sind giftig!

 Wir halten es mit dem großen Paracelsus ( 1493-1541 ), der den Spruch prägte:  Die Dosis macht das Gift!

Zurück zu unseren Holunderblüten, sie enthalten die schweißtreibenden Glykoside: Sambunigrin (wie Ihr vielleicht kombinieren könnt ist diese Bezeichnung von Sambucus abgeleitet s.o.), und Rutin ; außerdem Vitamin C, ätherische Öle, Flavonoide und vieles mehr.

Wie Ihr erahnen könnt machen diese Inhaltsstoffe die Blüten zu einem idealen Mittel gegen Erkältungen; auch bei Rheuma, Zahn-, Nerven-, Hals-, und Kopfschmerzen und zur Blutreinigung leisten sie gute Dienste.

Der Aufguß aus den Blüten ergibt einen wohlschmeckenden Tee, den auch Kinder mögen.
Zubereitung: 2Eßlöffel getrocknete (oder mindestens die doppelte Menge frischer) Blüten mit1Tasse heißem Wasser übergießen und  - damit sich die ätherischen Öle nicht verflüchtigen (griechisch Äther = Himmelsluft und somit flüchtig)- zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, möglichst heiß trinken das verstärkt die schweißtreibenden Wirkung! Als Schwitztherapie bei Grippe trinkt man max. 3-5  Tassen pro Tag. Kinder natürlich weniger!!

Aus den Blüten kann man auch einen wohlschmeckenden Sirup zubereiten; sie können 14 Tage in Essig angesetzt werden oder auch in Wein; und nicht zu vergessen die Blüten in Ausbackteig herausgebraten sind  eine Köstlichkeit ;

Probiert auch den Blütenaufguß bei fettiger und oder unreiner Haut als Waschung oder Bad:
2 Handvoll Blüten in einem Säckchen in die Wanne hängen- möglichst unter dem Wasserhahn - oder einen starken Aufguß in die Wanne schütten -  ideal wenn noch Blüten vom Vorjahr aufzubrauchen sind oder ihr noch Tee übrig habt !

In der Homöopathie ( Mittelbezeichnung: Sambucus = Samb abgekürzt)  werden die frischen Blüten und Blätter in der Urtinktur  bis zur D6  Potenz vor allem bei dem trockenen Stockschnupfen der Säuglinge, bei Fieber, Rheuma und zur Stärkung des Immunsystems verabreicht

Sogar die KommissionE (= eine Kommission die vom Gesundheitsministerium eingesetzt ist, um die Wirksamkeit von Pflanzen zu überprüfen, -sozusagen ein amtliches Siegel-) bescheinigt den Holunderblüten eine Wirkung bei Erkältungen.

Mehr Rezepte findet Ihr auch auf www.bio-ok.de

Genug geschrieben; wenn ihr etwas über die Anwendung als Färbemittel wisst oder besonders leckere Rezepte habt, würde ich mich freuen eine Email oder Telefonat zu bekommen.

Eure Birgit Garnweidner



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